Das Landgericht München I entschied in dem Urteil vom 23.03.2018, dass die Werbung für eine Rentenversicherung mit „Indexpartizipation“ oder mit „Beteiligung an der Wertentwicklung des EUROSTOXX 50“ Verbraucher irreführt, wenn die Rendite aus dieser Versicherung nicht maßgeblich von der Entwicklung dieses Aktienindex, sondern von einem durch die Versicherung festgesetzten „Cap“ abhängt.

Rentenversicherung mit Indexpartizipation

Die Allianz hat ihre Rentenversicherung „Index Select“ damit beworben, dass die Versicherungsnehmer jährlich zwischen einer Garantieverzinsung und der Verzinsung durch eine Indexpartizipation wählen können. Die Verzinsung durch die Indexpartizipation orientiert sich an der Wertentwicklung des Aktienindex. Ein „Cap“ begrenzt allerdings diese Verzinsung, der aufgrund verschiedener Faktoren wie der Kapitalmarktentwicklung und der Überschusserträge berechnet wird.

Indexpartizipation erweckt den Eindruck der Anlage in Finanzprodukte

Zunächst stellte das LG München I fest, dass ausschließlich das Verständnis eines verständigen und durchschnittlich informierten Verbrauchers maßgeblich sei. Das Verständnis des Werbenden selbst hingegen könne nicht ausschlaggebend sein. Durch die Verwendung der Begriffe „Indexpartizipation“ oder „Beteiligung an der Wertentwicklung des EUROSTOXX 50“ werde bei diesen Durchschnittsverbrauchern der Eindruck erweckt, dass zumindest mittelbar in Finanzprodukte angelegt werde. Dies ist jedoch aufgrund der bloßen Bezugnahme auf den Aktienindex nicht der Fall. Dadurch werden nach dem LG München I die Verbraucher irregeführt.

Der Cap als maßgeblicher Faktor für die Indexpartizipation

Selbst wenn für Verbraucher erkennbar sei, dass keine Anlage in Finanzprodukte erfolge, werden diese dennoch irregeführt. Die Allianz erweckte nämlich durch ihre Werbung den Eindruck, dass die Rendite primär von der Entwicklung des EUROSTOXX 50 abhängt. Nach deren Vorstellung sei der „Cap“ lediglich der Preis für die Sicherheiten der Versicherung. Tatsächlich bestimmt jedoch der „Cap“ maßgeblich, wie die Rendite der Verbraucher ausfällt. Die Allianz berechnet dabei den Cap aufgrund verschiedener Faktoren, wobei insbesondere die Auswahl der Faktoren und die Auswirkungen dieser auf die Festsetzung des „Caps“ für den Verbraucher nicht erkennbar sind.

Das LG München I hat durch dieses Urteil die „Black Box“ der Allianz gestoppt. Für den Verbraucher ist nicht erkennbar, inwieweit er von dieser Versicherung profitieren wird. Selbst für Experten ist kaum zu erkennen, wie das System einer solchen Versicherung mit Indexpartizipation funktioniert.